PROJEKT LOFTAUSBAU – der perfekte Boden und wie man ihn findet.

Wohnbereich mit offener Küche

Wir haben eine alte Schreinerei gekauft und wollten daraus eine Loft Wohnung ausbauen. Und was soll ich sagen? Es ist sehr schön geworden. Warum, verdanken wir mehreren Aspekten. Zum einen meinem mehrfach erwähnten Mood-Book – meiner Sammlung toller Wohnideen, jahrelang ausgerissen aus Zeitschriften. Zum anderen dem Austausch mit unserer Architektin während unserer einjährigen Planungsphase. Und, last but not least, einigen spontanen Ideen, die erst während der Sanierung aufkamen. Manches kommt dir erst, wenn du davor stehst.

Natürlich ist das Besondere unserer Wohnung DAS GESAMTKONZEPT, aber es gibt auch das ein oder andere Highlight. Und in den folgenden Beiträgen stelle ich euch diese Highlights nach und nach vor.

In diesem Post geht es um den passenden Bodenbelag.

Der perfekte Boden – und wie man ihn findet.

Wer plant, ein Haus zu bauen, oder eine Wohnung zu sanieren, landet relativ schnell bei der Frage, welcher Boden verlegt werden soll. Schön soll er sein. Zu den Möbeln muss er passen. Zur Bude generell.

Klar ist: Die Entscheidung für einen Boden ist brisant. Denn erstens liegt er überall rum (und prägt damit entscheidend den Wohnstil), und zweitens kann man ihn nicht mal eben wieder ändern, wenn man Bock auf was Neues hat.

Die Wände kann man jederzeit neu streichen – den Boden mal eben rausreißen: eher nicht.

Also legt man sich am besten einen Boden rein, der bleiben darf. So weit, so nachvollziehbar. Nur… wie soll man sich für den perfekten Boden entscheiden?

Wer seinen Geschmack kennt, und auf der Entscheidungsneurose-Skala nicht gerade die zehn ansteuert, wird vielleicht sogar schnell fündig. Hat man doch gerade auf der Party von Kollege XY diesen superschönen Parkettboden gesehen. Oder, was ist mit den coolen Zementlook-Fliesen aus der Wohnzeitschrift letztens? Ein Träumchen.

Manche wissen genau, was sie wollen. Die meisten: nicht. Weil sie sich entweder noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben (und damit gar nicht genau wissen, was es überhaupt gibt) – oder, weil sie sich sehr viel damit beschäftigt haben, und sich bei der großen Auswahl nicht mehr entscheiden können.

Doch egal ob man zu den Schon-Genau-Wissern oder zu den Langsam-Checkern gehört: beide Gruppen laufen Gefahr, sich falsch zu entscheiden. Denn wer garantiert einem, dass man seine Entscheidung nicht irgendwann bereut?

Garantieren kann einem das niemand. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit, dass man sich irgendwann ärgert, erheblich minimieren: wenn man bei der Entscheidung ein paar Dinge beherzigt.

Der beste Tipp, den ich euch zum Thema Boden geben kann:

Überlegt nicht nur, was euch jetzt gefällt, sondern, was euch auch in 20 Jahren gefallen könnte.

Will heißen, nehmt keinen Boden, der gerade Trend ist. Nehmt lieber einen Klassiker. Ein Boden, der euch vor 20 Jahren gefallen hätte, gefällt euch auch noch IN 20 Jahren.

Wir hatten zunächst an weiß gekalkte Eichendielen gedacht. Passend zum Skandi-Look, den ich sehr liebe. Viele von euch sagen jetzt: ja klar! Ist doch super! Ja, ist es. Aber es ist eben auch ein Trend. Und wie das so ist mit Trends, wer weiß, ob du sie in zehn Jahren noch genauso cool findest. Eher nicht.

Als ich diesen Weitblick in Bezug auf die Bodenauswahl noch nicht hatte, war ich noch überzeugt: die weiße Kalk-Diele, die ist es. Mit dieser „Ich weiß was ich will-Attitude“ bin ich in den Parkett-Laden gestiefelt. Als der Verkäufer die erste Schublade öffnete und eine wunderschöne, weiß gekalkte Eichen-Diele zum Vorschein kam, bestätigte sich: die, oder keine. Es war mein persönlicher Holzboden-Magic Moment. Doch dann…

… informierte uns der besorgte Verkäufer über die Nachteile. Weiß gekalkte Eichendielen seien empfindlich. Wir müssten  sie mindestens einmal die Woche feucht wischen. Mit einem Kalk-Wasser-Gemisch wohlgemerkt, um den Kalk wieder einzuarbeiten. Selbst seine Kundinnen mit Putzzwang kämen mit dem feudeln gar nicht hinterher, von den normalen Kunden ganz zu schweigen. Mein persönlicher Tiefpunkt war erreicht, als er uns empfahl, die Holzielen nur in den Räumen zu verlegen, in denen wir uns möglichst wenig aufhalten. Um Laufstraßen zu vermeiden – also Abnutzungen da, wo man oft drüber läuft. Die Alternative: sich nicht viel bewegen.

Äh, echt jetzt? Puh. Also klar, der Boden soll schön sein. Aber ich habe ein Kind. Ein Leben. Und ich will doch nicht jedesmal mit dem Wischmop bereit stehen, um abgenutzten Kalk wieder einzuarbeiten, wenn jemand durchs Wohnzimmer latscht. No fucking way! Ein Boden ist ein Boden. Und kein Ausstellungsstück. Das ist übrigens mein Credo für die ganze Wohnung: ich liebe es stylisch und cool. Aber es muss wohnlich sein. Und gemütlich. Wer denkt, das eine schließt das andere aus, kann gerne bei uns vorbeikommen… 😉

Weil der Verkäufer so geschäftsuntüchtig und ehrlich war, haben wir uns vom weiß gekalkten Eichenboden verabschiedet und uns Alternativen angesehen.

Und da komme ich auch schon zu meinem zweiten Tipp:

Sucht euch euren Boden niemals anhand von Mustern im Parkett- oder Fliesenladen aus, sondern anhand von „Real-Life-Situations“.

Will heißen: checkt im Internet Wohnungen mit infrage kommenden Böden. Im Laden drückt dir der Verkäufer nur eine Holzdiele in die Hand. Oder hat immerhin zwei Quadratmeter Musterfläche ausgelegt. Aber das ist alles null aussagekräftig! Ein Boden wirkt auf einer großen Fläche ganz anders. Außerdem ist Boden nicht gleich Boden. Legst du einen quadratisch-praktischen-15-Quadratmeter-Raum mit ein paar großen, grauen Fliesen aus, hast du nicht den gleichen Look wie dieselben grauen Fliesen in einem hellen, 60 Quadratmeter großen Loft-Raum. Das eine sieht sehr wahrscheinlich bieder aus, das andere cool.

Also: Wie wirkt der Boden in einem Raum? Wie wirkt er zusammen mit dem Stil eurer Möbel? Mit der Art der Immobilie?

Die Frage ist, wo findet man „Real-Life-Situations“? Selbst mit großem Freundes- und Bekanntenkreis gibt’s nicht genug Auswahl zum Luschern… Aber zum Glück gibt’s ja das Internet. Wir haben uns die Inspirationen zum Beispiel bei www.houzz.com geholt. Wer die Seite nicht kennt: Das sind gesammelte Wohnideen, von Tausenden von Nutzern hochgeladen. Ähnlich wie bei Pinterest, nur, dass es ausschließlich ums Thema Wohnen geht. Viele Produkte sind gelabelt, man sieht also, von welcher Marke sie sind. Sehr praktisch. Man kann aber auch nach einzelnen Räumen gucken und sich inspirieren lassen – Küchen, Bäder, und so weiter.

Um den für uns perfekten Holzböden zu finden (dass es Holz sein soll, war gesetzt), habe ich mir einfach mal hunderte von Wohnzimmern angesehen. Und festgestellt: Normale Eichendielen sehen in sanierten Altbauwohnungen am allergeilsten aus. Vor allem in Kombination mit weißen Sockelleisten. Da hätte ich natürlich auch so drauf kommen können. Denn wenn man den weiß gekalkten Eichendielen den Trendfaktor wegnimmt (weiß gekalkt), und das unpraktische (der weiße Kalk, weil er sich abnutzt), was bleibt dann übrig? Eben. Eichendielen natur, geölt. So einfach kann’s sein.

Im Laden, nur umgeben von Mustern, hätte ich das wahrscheinlich nie im Leben entschieden. Weil ich gedachte hätte: langweilig. Aber am Ende war langweilig perfekt! Denn diese natur-geölten Eichendielen sind, davon abgesehen, dass sie an tolle sanierte Altbauwohnungen erinnern, unempfindlich, pflegeleicht und halten lange. Und sie sind relativ günstig. (Zum Vergleich: Meine Magic Moment-weiß gekalkte-Eichendiele hätte pro qm 120,- Euro gekostet. Eine normale Massivholzdiele bekommst du schon für 40,- pro qm.)

Unsere Architektin fand unsere Entscheidung übrigens super. Sie hat vor zehn Jahren einen Ahorn-Holzboden verlegt. Und sie ärgert sich heute darüber, dass man ihrer Wohnung beim reinkommen ansieht, wann sie saniert wurde. Denn, wie die Mode, hat eben auch jeder Boden sein Jahrzehnt. Und die Ahorndiele ist einfach mal voll 2005.

Der Eichenboden dagegen ist und bleibt ein Klassiker. So sieht er übrigens in unserer Bude verlegt aus:

Wohnbereich mit offener Küche

Dielenboden in einem sanierten Loft

 

Holzdielenboden gute Entscheidung
Unsere Eichen-Massivholzdielen sind von der Firma „Hegener-Hachmann“ und haben eine Stärke von 19mm. Kostenpunkt etwa 60,- Euro pro qm.

Ihr kennt jetzt die beiden wichtigsten Tipps für die Bodenauswahl. Zwei kleine Tipps hab ich trotzdem noch. Der erste:

Spart nicht ausgerechnet beim Boden.

Klar, man muss sich alles leisten können. Und es ist natürlich unterschiedlich, auf was Menschen besonders viel Wert legen. Dem einen ist der Boden wichtig, der andere spart lieber beim Boden und baut sich stattdessen ne Sauna in den Keller. Ich will euch nur warnen! Eben weil man diese Entscheidung (so gut wie) nicht mehr rückgängig machen kann. Und der Boden ist das erste, was ihr seht, wenn ihr euer Haus oder eure Wohnung betretet. Er ist in jedem Zimmer, also überall präsent. Der Boden ist quasi das Herzstück eurer Bude! Und er entscheidet über joah, oder yay.

Das ist wie mit Schuhen. Mit einem Zara-Oberteil und vernünftigen Schuhen bist du immer besser angezogen, als mit einer Vera Wang-Bluse und Schuhen von Deichmann! (Sorry, Deichmann.) Das nur als Vergleich.

Also wenn ihr den perfekten Boden gefunden habt… aber unschlüssig seid, weil er vielleicht fünf Tausend Euro über dem Budget liegt… und die zweitbeste Alternative für euch ja irgendwie auch okay ist… dann nehmt trotzdem eure erste Wahl. Und macht woanders Abstriche. 🙂

Und wer noch nicht genug hat, bekommt jetzt auch noch meinen letzten Tipp.

Nehmt euch für die Bodenauswahl viel Zeit. Macht es zu eurer ersten Entscheidung. Und zur letzten.

Wie man an unserem Beispiel sieht, war unsere erste Entscheidung nicht die letzte. Da der Boden so wichtig ist, würde ich damit anfangen. Dann hat eure erste Entscheidung Zeit, zu reifen. So hoppladihopp eine Bodenentscheidung zu treffen, ist riskant. Aber dazu muss ich jetzt nicht mehr sagen – ich glaube ihr habt kapiert, worauf ich raus will.

Meine Tipps noch mal  zusammengefasst:

  • Überlegt euch, welcher Boden euch nicht nur heute gefällt, sondern euch auch vor 20 Jahren schon gefallen hat.
  • Fragt euch, was euch am wichtigsten ist: der Look? Die Alltagstauglichkeit? Die Gemütlichkeit? Der Preis? Wenn ihr eine der Komponenten über eine andere stellt, die euch tief in eurem Inneren aber superwichtig ist, dann werdet ihr irgendwann unzufrieden sein. Trends zum Beispiel kommen… aber vor allem gehen sie wieder.
  • Macht eine Bilder-Recherche, lasst euch inspirieren! Zum Beispiel bei Houzz.de. Schaut euch einfach mal einen ganzen Abend lang Böden an. Und lasst dann am besten nicht euren Kopf entscheiden, sondern euren Bauch! Die Bilder, bei denen der spontan yippiyayeah schreit, setzt ihr auf eine Liste (bei Houzz.de kann man zum Beispiel Listen anlegen!) – am Ende seht ihr dann (hoffentlich), wofür euer Herz am allermeisten schlägt.
  • nehmt euch Zeit für die Bodenauswahl. Fangt damit an. Bestellt aber noch nicht. Kümmert euch erst mal um andere Dinge. Dann nehmt ihr euch das Bodenthema noch mal vor. Und schaut, ob die erste Wahl wirklich schon die beste war!
  • und: spart nicht ausgerechnet beim Boden!

Ich hoffe, ich kann euch mit meinen Tipps ein bisschen weiterhelfen. Und wenn ihr euch am Ende immer noch unsicher seid: Nehmt einfach die natur-geölte Eichendiele – die geht immer, hehe!

Liebe Grüße,

Dagmar

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