Immobilienkauf ja oder nein? Unser Weg zur Traumimmobilie.

Ich sag’s mal so. Ich bin entscheidungsneurotisch. Sehr entscheidungsneurotisch. Gäbe es einen Club für Entscheidungsneurotiker, ich wäre die Präsidentin.

Zum Beispiel beim Essen gehen: Was, wenn ich die Pasta nehme, sich die Pizza meines Freundes aber als sehr viel leckerer rausstellt?  Oder bei der Überlegung, für welchen Sport ich meinen vierjährigen Sohn begeistern könnte… Tennis? Ich meine, wenn er so gut wird wie Roger Federer, könnte ich in 15 Jahren aufhören zu arbeiten. Dafür lernt er in der Teakwando-Schule, sich zu verteidigen, falls ihm mal mit zwölf einer an der Bushaltestelle das Handy klauen will…

Bei der Frage aller Fragen der Anfang 30- bis Mitte 40-Jährigen müsste ich mich dann eigentlich besonders schwer getan haben: Immobilienkauf ja oder nein?! Trotz ausgeprägter Entscheidungsneurose hatte ich hier aber schon immer eine klare Tendenz.

Die Vor- und Nachteile beider Optionen liegen auf der Hand. Wenn man kauft, gehört einem irgendwann was, wenn man mietet, bleibt man flexibel und muss sich erst mal nicht verschulden. Da ich aber zur To Do-Listen-Schreiber- und Sicherheits-Fraktion gehöre, war für mich schon lange klar, dass ich mal irgendwann Immobilienbesitzerin sein will. Dass die Bude, in der ich wohne, meine ist. Dass, wenn ich dort eine Markise dranschraube, sie mir gehört. Dass ich mir den schönsten Boden aussuchen kann, weil ich keinen Nachmieter suchen muss, der ihn mir wieder ablöst. Dass ich mit der Kohle, die ich jeden Monat fürs Wohnen ausgebe, nicht die Immobilie eines anderen abbezahle, sondern meine eigene. Dass ich mir nicht länger überlegen muss, wie ich altersvorsorge, da eine Immobilie die beste Altersvorsorge überhaupt ist. Also für mich.

Die Liste ist lang. Und toppt (für mich) die paar Vorteile von mieten um Längen. Was nicht heißt, dass ich nicht auch die verstehe, die sich lieber nichts kaufen. Eben weil sie flexibel bleiben wollen. Oder Angst vor dem Schuldenberg haben (und um den kommt man nicht rum, es sei denn, man ist stinkreich und kann die Kohle bar auf den Tisch legen – aber wer kann das schon.)

Ich hatte diesen Wunsch nach „was Eigenem“, das Verlangen, nach insgesamt zehn Umzügen endlich mal  anzukommen, irgendwann sehr stark. So wie andere Frauen sich ein Baby wünschen, habe ich mir eine Immobilie gewünscht. Mehr Nestbautrieb geht nicht!

Wenn einem klar ist, dass man sich eine Immobilie kaufen will, kommt, zumindest bei Großstädtern, die Frage nach dem WO.

In Köln, wo ich lebe, müssen sich die meisten Leute um mich herum zwar eher fragen: wo kann ich mir was leisten, und nicht unbedingt: wo finde ich es am schönsten, aber selbst wenn man sich eine Villa mit Kies-Auffahrt in der Stadt leisten könnte, ist ja nicht gesagt, dass man das auch will. Manche ziehen lieber raus aufs Land. Da ist es schön ruhig, die Welt noch in Ordnung – und die Kaufpreise sind es in der Regel auch.

Wenn man sich für die Stadt entschieden hat, muss man sich dann überlegen, in welches Viertel man will. Köln ist ja nicht gleich Köln. Die einzelnen „Veedel“, wie der Kölner liebevoll sagt, sind so unterschiedlich wie die Moon Party in Koh Phangan und Spa-Urlaub am Tegernsee.

Über das WO haben mein Freund und ich übrigens am häufigsten diskutiert.

Als für uns die Immobilien-Kauf-Frage aktuell wurde, waren wir schon eine kleine Familie. Und mit Kind sieht ja alles ganz anders aus. Natürlich haben wir uns überlegt, ob es nicht sinnvoller wäre, raus zu ziehen. Man geht ja sowieso nicht mehr so viel weg, und ein bisschen Natur um sich herum, und damit gute Luft, wär schon was Feines. Und überhaupt, warum sollte man für das gleiche IN Köln drei mal mehr zahlen als AUSSERHALB? Weil… ja weil. Weil man sich vielleicht mal Sushi bestellen möchte. Weil man Frozen Yogurt in Reichweite haben will. Weil man lieber zum Pilates geht, als zum Baumstamm-Weitwurf. Weil man keinen Bock hat, mit dem Auto zu fahren, oder 70 Euro fürs Taxi auszugeben, wenn man doch mal rauskommt. Und weil man dann einfach lieber essen geht und danach in eine coole Bar, als mit den Nachbarn um den Maibaum zu tanzen.

Ach, auch diese Liste ist lang. Und drum haben wir uns letztlich für die Stadt entschieden. Und es bislang nicht bereut!

Aber zurück zu meiner anderen Liste.

Wenn man sich für das WO entschieden hat, kommt die Frage nach dem WAS.

Haus oder Wohnung? Und welcher Stil? Ein Bungalow im Bauhaus-Look, eine Stadtvilla mit Altbau-Charme oder ein Reihenmittelhaus in einer Neubau-Siedlung? Eine sanierte Altbauwohnung, eine Erstbezug-Maisonette-Wohnung oder eine ganz normale Bude in einem ganz normalen Mehrfamilienhaus aus den 1960ern?

Es gibt viel, und nicht alles, was es gibt, kriegt man auch – vor allem nicht in der Großstadt. Und trotzdem möchte man sich ja nicht IRGENDWAS kaufen. Also macht man sich Gedanken (als Entscheidungsneurotiker ein paar mehr) und hat, im besten Fall, irgendwann zumindest eine Ahnung davon, nach was man eigentlich sucht.

Bei mir war es eher so, dass ich mir nicht ganz sicher war, was ich will, dafür aber umso sicherer, was ich nicht will.

Dummerweise hatte ich nämlich keine Lust auf eine 0-8-15 Immobilie. Auf die üblichen vier Zimmer, Küche, Bad. Auf normale Zimmergrößen oder niedrige Decken. Ich wollte was Cooles. Was Besonderes. Ich wollte hohe Decken. Sprossenfenster. Einen umgebauten Gutshof, oder ein altes, saniertes Handwerks- oder Industriegebäude. Mindestens aber einen coolen Bungalow aus den 60ern. Im besten Fall sollte außerdem alles auf einer Ebene sein. Bloß nicht Maisonette oder drei Stockwerke. Ich hasse es, wenn ich unten bin, aber meine Socken oben. Oder ich oben und ein Geräusch unten.

Ich weiß, bescheiden ist anders, und woher das kommt, kann ich nur ahnen. Ich hätte in den letzten zehn, zwanzig Jahren vielleicht öfter den „Spiegel“ lesen sollen, statt mir Artikel in der „Schöner Wohnen“ reinzuziehen, in denen Menschen davon berichten, wie sie eine zwanzig Jahre lang leerstehende, ehemalige Porzellan-Manufaktur entdeckt und saniert haben. Und wie es sich jetzt anfühlt, in dem 270 qm großen Backsteingebäude direkt am Rhein zu wohnen. Oder in der kernsanierten Korbflechterei in Südfrankreich, mit eigenem Weinhang versteht sich.

Natürlich gab auch das Diskussionen, denn mein Freund fand sanierte Gutshöfe & Co. zwar auch toll – aber ein schönes Reihenhäuschen hätte es für ihn eben auch getan. Er hat die „Schöner Wohnen“ nicht gelesen!!! Haha, nein, ihm sind andere Sachen einfach wichtiger, als Wohnen.

Mir leider nicht. Also, klar ist mir „gesund zu sein“ wichtiger als schöne Fliesen im Bad zu haben. Aber von den etwas profaneren Dingen im Leben ist mir eben schön zu wohnen am aller, allerwichtigsten. Ich verbringe die meiste Zeit Zuhause (in einer Kontaktanzeige würde man schreiben „ich bin sehr häuslich“), plus, ich bin ein sehr visueller Mensch. Schöne Dinge machen mich einfach glücklich! Und je öfter und länger ich sie um mich herum habe, desto besser. Soll heißen: Klar stimmt mich auch eine Palme auf Bali happy, aber die hab ich eben nicht so lange um mich, deswegen gebe ich mein Geld auch lieber für Einrichtungsdinge aus, als für Urlaub.

Fürs Kaufen gab es also ein eindeutiges Ja.
Fürs WO eine Tendenz zur Stadt.
Fürs WAS mehrere unbescheidene Optionen.

So weit, so schwierig. Denn als mir klar war, was ich gerne hätte, war genauso klar, dass das nix werden würde. Zumindest nicht in Köln.

Irgendwie mussten wir aber zu Potte kommen, deswegen habe ich zwei Maßnahmen ergriffen. Erste: Ich hab in den einschlägigen Internet-Portalen nach kernsanierten Korbflechtereien gesucht. Haha, Scherz! Ich habe natürlich alles durchgeguckt, was über drei Zimmer hatte und ein Dach, und irgendwie in unserem Budget lag. Das war aber ziemlich ernüchternd. Es gab nämlich nix. Mit nix meine ich nicht nix nix, aber eben nix, was irgendwie-auch-nur-annähernd meinen Suchkriterien entsprach. Und wenn was ganz gut klang, dann fanden das 348 andere auch und noch während ich „Guck mal, das geht doch!“ zu meinem Freund gerufen habe, war die Anzeige auch schon wieder gelöscht. „Wegen überraschend großer Resonanz.“

Was mich direkt zu unserer zweiten Maßnahme führt: Ich habe Makler gebeten, uns auf ihre Kundenliste zu setzen. Den Tipp hatte ich nach längerer erfolgloser Suche von einer Freundin, die meinte: „Vergiss es, in Immoscout steht nix drin. Die guten Sachen werden direkt vom Makler an deren Kunden weitergeleitet – und verkauft, bevor sie überhaupt im Internet landen.“ Ich also daraufhin meine Wünsche formuliert und an ein Dutzend Makler in Köln geschickt. Das Absurde: ich hab bis heute KEINEN EINZIGEN Vorschlag bekommen. Und NEIN, ich habe nicht geschrieben, dass nur Ex-Korbflechtereien oder Porzellan-Manufakturen in Frage kommen…

Mittlerweile weiß ich: Man muss sich PASSENDE Makler raussuchen. Manche vermakeln nämlich nur Geschäftsgebäude, sind auf Stadtteile spezialisiert, die du gar nicht suchst, oder haben nur Objekte ab einer Million Euro im Portfolio – usw. Zweiter Tipp: Man sollte mit den passenden Maklern Besichtigungstermine für egal was vereinbaren. Also auch, wenn einen die Immobilie gar nicht interessiert. Danach so: „Schade, das war nicht das Richtige, aber wenn Sie mal XY haben, melden Sie sich bitte.“ DANN kommt man auf die Kundenliste und bekommt tatsächlich Emails, wenn die Makler was Passendes reinbekommen.

Dadurch haben wir dann zumindest ein paar Angebote bekommen – das Richtige war leider trotzdem nicht dabei.

Und dann stand ich eines Tages auf der Dachterrasse einer Freundin, die sich mit ihrem Mann eine Wohnung in einem kernsanierten Gebäude von 1900 gekauft hatte…

Ich schaute arglos von oben in den Innenhof im Erdgeschoss. Ich hab zuerst nur die Fenster gesehen – und war schockverliebt. Es waren große schwarze Industrie-Sprossenfenster. Ich so: Oh Gott, was ist das da unten? Meine Freundin so: ach, das ist eine alte Schreinerei. Die ist noch nicht saniert und noch nicht verkauft. WHAT?

Dann die Ernüchterung. Sie nannte mir den Preis. Der ca. 50% über unserem Budget lag. Und Budget heißt ja nicht, dass man das Geld auf dem Konto liegen hat. Zumindest in unserem Fall lag das da nicht. Unser Budget war das, was wir für realistisch abbezahlbar hielten – in einem Leben.

Und nun stand ich da. Hatte eine absolute Traumimmobilie gefunden (zumindest von außen – aber Gebäude mit diesen Fenstern können von innen nicht hässlich sein). Und das mitten in Köln. In meinem Lieblings-Veedel. Unter der Wohnung von guten Freunden. Und das scheiß Ding war noch nicht verkauft! Aber wir konnten es uns nicht leisten. Dilemma-Deluxe, würde ich sagen!

Ich könnte das jetzt dramaturgisch noch etwas ausreizen, aber ich mach’s kurz: Wir haben diese unsanierte und viel zu teure Schreinerei nach langem hin und her und ein paar Nervenzusammenbrüchen schließlich trotzdem gekauft. Warum, und vor allem, was daraus geworden ist, darüber schreibe ich in den nächsten Teilen meiner Reihe „Unser Weg zur Traumimmobilie“. 

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